Der Fächer
Der
Fächer des Lebens, das sich in diesem Haus regt, ist weit und vielfältig.
So farbig, wie die Menschen, die hier leben und die andern, die hierher
kommen. Uns interessiert der Alltag, die Gestaltung von Beziehungen, die
Herausforderung durch die berufliche Situation, die Entdeckung des Lebens,
das sich im Verbund der vielen einzelnen Menschen als körperlicher
Prozeß entwickelt. Gerichtet sind alle Faltungen dieses Fächers
auf einen Punkt: auf den gestaltlosen und bedeutungslosen Ursprung allen
Lebens. Aus ihm heraus leben wir und auf ihn hin zielen die Begegnungs-
und Bildungsangebote des Meister Eckehart Hauses.
Üben
Um Fahrrad fahren zu können,
üben wir. Dabei lenken wir unsere Aufmerksamkeit in viele Richtungen:
wir koordinieren z.B. die Bewegungen der Beine, suchen das Gleichgewicht,
bestimmen die Richtung ...
Was immer wir übend
tun, wir treten aus dem mehr oder weniger unbewussten Fluss des täglichen
Lebens heraus und öffnen uns für eine Form des wachen Bewusst-seins.
Wir halten in einem Moment
inne und treffen die Entscheidung, uns in die Welt des Übens zu begeben
Üben meint so die Arbeit
an einer bewussten Form, und es gibt dabei unterschiedliche Übungsweisen
und Ziele. Wir arbeiten z.B. an einer bestimmten Haltung des Körpers,
wir üben Bewegungsabläufe, Rhythmen und fügen uns ein in
rituelle Formen. Unmerklich beeinflusst Üben unsere Weise in der Welt
zu sein.
Erweitern wir beim Üben
die zielgerichtete Aufmerksamkeit durch die Achtsamkeit für uns selbst,
z. B. durch die Frage nach dem Wie der Formung,dann kann sich während
und durch die Übung ein weiterer Horizont öffnen, den uns z.B.
das sehr junge Kind spiegelt, wenn es ohne Unterbrechung an der Entwicklung
seiner Gestalt arbeitet. Das szenische Spiel von Texten, lebt in einem
gewissen Stadium nicht mehr vom Sinn der Geschichten, sondern findet seine
Erfüllung in der bewussten Bewegung und Begegnung im Augenblick. Wir
formen unser persönliches Leben und sind gleichzeitig Mitschöpfer
eines größeren Entwicklungsprozesses, eines Weges von einer
weniger geformten Gestalt zu einer differenzierter und bewusster gestalteten
Existenz. Üben Die Fähigkeit und das Bedürfnis zu üben
sind dem Menschen angeboren wie der Pulsschlag des Herzens und die Atembewegung
der Lunge.
stop and go
innehalten und weitergehen
In
einer niederländischen Zeitung schrieb eine Journalistin einen launigen
Artikel über "onthaasten" das heißt etwa: zur Ruhe kommen aus
der Hast des Alltags. An ihrem ersten Ferientag fing sie damit an. 8.00
Uhr: eine Lachmeditation, weiter dann zum Yoga, anschließend zur
Transcendentalen Meditation, Shiatsu, Sauna, Salzbad mit New Age Musik,
in der Zwischenzeit das Handy abhören, eine Tasse Kaffee.... Das "onthaasten"
verkam zu einer neuen Anstrengung, die all diese, an sich sinnvollen Möglichkeiten
zu sich zu kommen, zunichte machte.
Wir
haben die Möglichkeit stop zu sagen, innezuhalten, auch wenn es nur
für Sekunden ist. Wir können fragen: wie tue ich, was ich im
Augenblick tue? Oft reicht ein Atemzug und ich kann eine Spur anders weiter
gehen - mir selber näher, aufmerksamer für die Menschen mir gegenüber,
bereiter für die Sache, um die es geht. Die Zeit, die diese kleine
Übung braucht, ist keine Zeiteinheit, die wirklich Zeit frisst, sie
gibt vielmehr einen Zeit-Raum, der eine veränderte Wahrnehmung ermöglicht.
Wir
verstehen unsere Arbeit und die Angebote des Programms als Einladung innezuhalten
und dann weiterzugehen.Stop
and go!
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Wer ist Meister Eckehart?
Aus den
neuen Bundesländern stammt Meister Eckehart, aus Thüringen. Dort
wurde er um 1260 geboren. In seiner beruflichen Laufbahn im Orden der Dominikaner,
der Hunde Gottes, wie sie sich nennen, spielt er die Rolle eines Studenten
und Professors, unter anderem in Paris und Köln - daher stammt der
Titel Magister/Meister - obendrein ist er dann wirklich ein Meister, ein
Lese- und Lebemeister.
Er leitet und inspiriert
das Leben in verschiedenen klösterlichen Lebensgemeinschaften und
ist oft und weite Strecken zu Fuß unterwegs: zwischen Erfurt, Straßburg,
Paris, Köln und Avignon.
Was er sagt, hat Hand und
Fuß. Dabei trifft sein Blick besonders die Tiefendimension der Menschen
und Texte, mit denen er arbeitet. Er weitet das menschliche Bewußtsein
hinein in die spirituelle Dimension und eröffnet als schöpferischer
Mensch die Freiheit und Würde eines jeden Menschen. Den damaligen
Hütern der Wahrheit war er zu souverän, sie haben versucht, ihn
in die Schranken zu weisen und eine Reihe seiner Einsichten verurteilt
- letztlich ohne Erfolg.
Eckehart stirbt vermutlich
in Avignon oder auf dem Rückweg nach Köln im Jahre 1328. Sein
Grab ist nicht bekannt.
Heute wird Meister Eckehart
erneut gelesen von Menschen, die sich der eigenen Wirklichkeit unmittelbar
öffnen, Menschen, die nach den Weltkriegen und der Erfahrung des faschistischen
Terrors bloß und arm da stehen, die nichts mehr in Händen halten
und den Gott der Menschen gelassen haben "um Gottes willen".
Eckehart ist für den
Zen.-Buddhismus eine Brücke zum Verständnis der Mystik westlicher
Tradition.
Im Eckehart Haus können
Sie bei sich ankommen und andern begegnen, um zu werden, wer Sie sind.
Anschließend brechen Sie dann in die Gestaltung der Welt und erneute
Begegnungen auf. Dadurch wird das Haus ein Ort des Übergangs von einer
alten in die neue Form. Von Zeit zu Zeit können Sie in Berührung
kommen mit dem, was ohne Bedeutung ist.
Hier können Sie einen der zentralen Texte Meister Eckeharts öffnen.
Was
Anfängerinnen und Anfänger der Mystik
lernen und verlernen
sollten
angeregt durch A.Holl, Mystik für Anfänger, Rowohlt 1979
verlernen
die Faszination durch Gewaltiges, Großes und Bedeutendes
den Respekt vor Definitionen
die Bereitschaft, sich in siegreiche Traditionen zu fügen
die Neigung, die Vergangenheit zu idealisieren
die Klugheit, Opfer zu bringen
die genüßliche Neigung, über den verlorenen Kinderglauben
zu trauern
die Angst vor Veränderungen
lernen
den Unterschied zwischen Mystik und Mystizismus
Mißtrauen gegenüber letzten Wahrheiten
Rücksichtslosigkeit
fachmännischen, fachfraulichen Umgang mit Seelenarzneien
den Glauben an Unmögliches
Unbescheidenheit
Pflege der Ketzergesinnung
Literaturliste
Bibel,
Die |
mit
den Erläuterungen der Jerusalemer Bibel, Herder 1968 |
Bodhidharma,
Dialog |
über
das Auslöschen der Anschauung, ein früher chinesischer Text aus
Tun-huang, übers. von Ursula Jarand, R.G.Fischer Verlag, 1987 |
Brook,
Peter |
-Der
leere Raum, Alexander Verlag Berlin 3/1988 |
Dürckheim,
Karlfried Graf |
-Vom
doppelten Ursprung des Menschen, Herder Taschenbuch, 1980/5 |
|
-Die
heilende Kraft der reinen Gebärde,
in: Der Alltag als Übung, Verlag Huber, Bern 1970 |
Eckehart,
Meister |
Deutsche
Predigten und Traktate, Karl Hanser Verlag 1963 |
Fox,
Jonathan |
Renaissance
einer alten Tradition – Playback Theater, inSzenario Verlag, Köln
1996
Originaltitel: Acts of service |
Gebser,
Jean |
Ursprung
und Gegenwart, Novalis, 1979 |
Giegerich,
Wolfgang |
Animus
Psychologie, Peter Lang, Frankfurt am Main 1994 |
Kauffman,
Stuart |
At
home in the Universe: The Search for Laws of Self-Organization and Complexity,
Oxford Univ. Press, Paperback, 1996 |
Keleman,
Stanley |
-Leben
dein Sterben, Hamburg Isko Press, 3. Auflage 1987 |
|
-Verkörperte
Gefühle, Kösel Verlag 1992 |
Leutz,
Gretel |
-Psychodrama,
Theorie und Praxis, Springer 1986 |
Moreno,
Jakob Levi |
-Das
Stegreiftheater, Potsdam, 1924 |
Sheleen,
Laura |
Maske
und Individuation, Junfermann, 1987 |
Stangier,
Klaus-Werner |
-"Willst
du gesund werden?",
in: Psychodrama, 1992/2 |
|
-Schritte
ins Freie, Herder 1993 |
|
-"Bibliodrama
kreuzweise",
in: Bühne auf, April 1994 |
|
-"Ich,
Jahwe bin dein Arzt" - oder: wann ist die Zeit reif? Bibliodramatische
Einzelarbeit in der Beratung,
in: Jahresbericht 1994, Jubiläumsausgabe, Psychosoziale Beratung im
Bistum Aachen,
S.27-38 |
|
-Gott
lassen um Gottes willen,Bibliodrama, Weg in die Stille,
in:Meditieren, wie und wo? Ein Führer mit 500 Adressen von Lehrern,
Häusern und Zentren, Herder, 1995 |
|
- "Jetzt"
Bibliodrama im Spannungsfeld von Psychodrama und Liturgie, inSzenario Verlag
Köln, Februar 1997 |
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- Integration
des Psychodramas in kirchliche Bildungsarbeit,
in: Wittinger, Hg., Psychodrama in der Bildungsarbeit, Grünewald, Mainz 2000
- atmen und spielen
Experimentelle Theologie auf der Bibliodramabühne
2008,EB-Verlag Hamburg
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Suzuki,
Shunryo |
-
Zen-Geist, Anfänger-Geist, Unterweisungen in Zen-Meditation, Zürich,
4/1988 |
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